Probebohrungen haben begonnen.
- 6. Dez. 2014
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Trotz massiver und wiederholter Proteste auf allen Inseln und der entschiedenen Ablehnung durch die kanarische Regierung, einschließlich weiter Teile der Opposition, hat das Bohrschiff von Repsol am 18. November seine Arbeit aufgenommen. Es wird nun den Meeresgrund östlich der Kanaren perforieren, um festzustellen, ob dort Erdöl lagert und sich die Förderung lohnt. Wie Marcos Fraga, Sprecher des Repsol- Konzerns, bekannt gab, ist die Operation unter dem Namen „Sandía“ planmäßig angelaufen. Bei ihrer Ankunft traf die „Rowan Renaissance“ zunächst in ihrem Zielgebiet auf ein Aktionsschiff der Umweltorganisation Greenpeace, welches eine friedliche, wenn auch gewagte Protestaktion geplant hatte. Im Verlauf der Ereignisse kam es zu einer brutalen Konfrontation zwischen der spanischen Marine und den Umweltaktivisten. Eine junge Frau wurde dabei ernsthaft verletzt.
In Sachen Probebohrung in kanarischen Gewässern durch die Firma Repsol wird es nun ernst. Das Bohrschiff „Rowan Renaissance“ ist vor Lanzarote und Fuerteventura an der Position angekommen, wo die Suche nach dem Erdöl beginnen soll. Proteste in breiten Teilen der kanarischen Bevölkerung sowie weltweit, und der Kampf der Kanarenregierung, die sich in seltener Einigkeit mit nahezu allen Oppositionsparteien weiß, haben die starre Haltung der spanischen Zentralregierung bisher nicht erschüttern können. Die Umweltorganisation Greenpeace hat schon vor einigen Wochen das Kampagnenschiff „Arctic Sunrise“ auf die Kanaren geschickt (das Wochenblatt berichtete), um direkt am Ort des Geschehens zu protestieren und zu stören, wie sie es schon früher bei ihrem erfolgreichen Vorgehen gegen den Walfang getan hat. Die Umweltorganisation betont, dass insbesondere die Probebohrungen die gefährlichste Phase der Erdölförderung darstellen. Die bisher schwerste Umweltkatastrophe dieser Art, die Ölpest im Golf von Mexiko 2010, ereignete sich in ebendieser Phase. Im Zuge der Protestaktion kam es zu einem Zwischenfall mit der spanischen Marine. Die „Arctic Sunrise“ hatte sich schon vor dem Eintreffen des Bohrschiffes zu den Koordinaten der geplanten Probebohrung begeben und wurde von einem Kreuzer der spanischen Armada aufgefordert, die Position zu verlassen. Schon zuvor war für den gesamten Schiffsverkehr eine Sperrzone von einer Seemeile um die von Repsol gecharterte „Rowan Renaissance“ festgelegt worden.
Wie in einem Video, welches im Internet angeschaut werden kann, zu sehen ist, antwortet der Greenpeace-Kapitän über Funk, dass er die Position halten müsse, weil er den Auftrag habe, die Umwelt zu schützen. Später, als sich das Bohrschiff angenähert hatte, ließen die Greenpeace-Aktivisten motorisierte Schlauchboote zu Wasser, um sich der „Rowan Renaissance“ zu nähern, sie zu entern und, wie sie zuvor per Funk ankündigten, eine friedliche Protestaktion durchzuführen. Die Marine ließ ebenfalls Motorboote zu Wasser, welche bei hoher Geschwindigkeit auf Kollisionskurs gingen, die Greenpeace-Zodiacs seitlich anrempelten und dabei mit dem Boden ihres Bootes auch partiell über die Greenpeace-Schlauchboote und deren Insassen hinwegschlitterten. Zwei der Umweltschützer gingen bei diesen Attacken über Bord. Eine 23-jährige italienische Aktivistin erlitt dadurch Brüche und Schnittwunden. Sie wurde von den Militärbooten aus dem Wasser gezogen und vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus auf Gran Canaria geflogen. (Videos auf youtube.com unter Stichwort: Greenpeace Repsol) Im Twitter-Account des spanischen Verteidigungsministeriums wird von dem gesamten Geschehen nur dieser Umstand aufgegriffen und gesagt, man habe eine Greenpeace-Aktivistin aus dem Wasser gerettet, sie sei erheblich verletzt worden von einer Schiffsschraube der Greenpeace-Boote. Laut Aussagen der Umweltorganisation, haben deren Boote jedoch einen „Jet-Antrieb“ und keinerlei Antriebsschrauben.
Kanarenpräsident Paulino Rivero, der die verletzte Greenpeace-Kämpferin im Krankenhaus besuchte, sieht die Schuld an der Eskalation bei der spanischen Zentralregierung, der es „offenbar nichts ausmacht, die staatlichen Mittel, die wir alle bezahlen, gegen eine friedliche Aktion einzusetzen.“ Als die „Arctic Sunrise“ nach den Geschehnissen in den Hafen von Lanzarote zurückkehrte, wurde sie von einer großen Schar Demonstranten empfangen, die ihre Unterstützung für die Aktivisten zum Ausdruck brachte.










































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